Armut wird „sozial vererbt“: Status Quo und Reformbedarf der by Johannes D. Schütte

By Johannes D. Schütte

In Deutschland setzt sich die soziale Exklusion über Generationen hinweg fortress, dies gilt gerade auch im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Da dieser Prozess nicht auf die genetischen Anlagen rückführbar ist, muss davon ausgegangen werden, dass der sozioökonomische prestige in der Bundesrepublik „sozial vererbt“ wird. Über die Zusammenführung der theoretischen Ansätze von Pierre F. Bourdieu und Hartmut Esser wird es nicht nur möglich, den Dualismus zwischen Autonomie und Heteronomie zu überwinden, sondern auch die wirkenden Selektionsmechanismen zu beschreiben. Aus dieser examine ergeben sich neue Perspektiven für eine Habitusmodifikation und damit ebenfalls Ansatzpunkte für die Förderung besonders benachteiligter Personen (active inclusion). Dass ein gesellschaftlicher Aufstieg in Deutschland nicht für alle gleichermaßen möglich ist, obwohl eine vergleichsweise große Summe in das deutsche Wohlfahrtssystem investiert wird, ist nach den Befunden dieser Untersuchung in erster Linie darin begründet, dass das Fördersystem insgesamt weniger auf soziale Inklusion als auf die Konservierung des gesellschaftlichen establishment ausgerichtet ist.

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Gewinnmaximierung und Rentabilitätsmaximierung als Ziel erwerbswirtschaftlich orientierter Unternehmungen und die Erreichung dieses Zieles durch optimalen Einsatz des Eigenkapitals

Die Betriebswirtschaftslehre kennt unterschiedliche Zielsetzungen der Unterneh­ mungen. Besonders das Ziel der erwerbswirtschaftlichen Unternehmungen steht, wie viele Veröffentlichungen zeigen 1, seit einigen Jahren im Mittelpunkt des Interesses. Die Lehrmeinungen gehen darüber auseinander, ob dieses Ziel über die Gewinn­ maximierung oder die Rentabilitätsmaximierung erreicht wird.

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Bourdieu et al. 2004, S. 120ft). In dieser durch sich selbst bestimmten Entwicklung sehen einige Wissenschaftler den deterministischen Kern der Bourdieu'schen Theorie, andere widersprechen hier vehement. Unstrittig ist, dass Bourdieu den Habitus als äußerst stabil beschreibt. So betont er an verschiedenen Stellen immer wieder die enorme Veränderungsresistenz des Habitus'. Diese Konstaoz sieht Bourdieu unter anderem darin begründet, dass sich in diesem die gesellschaftlichen Machtverhältuisse widerspiegeln.

Erikson und Jonsson verstehen ihr Modell nicht als statisch, sie gehen davon aus, dass es im Lebens- und Bildungsverlauf eines Menschen zu deutlichen Verschiebungen hinsichtlich der Gewichtung der Einflussfaktoren kommt. Diese Veränderungen sehen sie auch im Zusammenhang mit den institutionellen Gegebenheiten (z. B. Studiengebühren) (vgl. Kristen 1999, S. 30ft). ,Ur 56 2. Der sozialwissenschaftliche Diskurs über die Entstehung sozialer Ungleichheit Abbildung 6: Primäre und sekundäre Effekte gesellsehafllicher Status kulture lles Kapital sozia les Kapita l ökonomisches Kapita l institutionelle Regelungen Einflüsse auf den kulturellen Hintergrund Einflüsse auf die Bildungsentscheid ung ( U~ pB-C) Bi ldungsenrag (B) Erfo lgswahrscheinlichke it (p) Bi ldungskosten (C) primäre Effekte sekundäre Effekte 1 1 Ungleichheiten im ßildungssystem (eigene Darstellung) Das Besondere an dem Modell von Erikson und Jonsson ist, dass eine Reihe von Einflussfaktoren miteinander verbunden werden.

Auch diese Geschmäcker und damit die verschiedenen Lebensstile unterliegen einer gesellschaftlichen Bewertung. Erst durch die Hierarchisierung der Geschmäcker werden diese zu Distinktionsmerkmalen und führen somit zu einer vertikalen Positionierung der verschiedenen Lebensstile. So bestehen im Lebensstihnodell nach Bourdieu zwar nicht mehr die zwei antagonistischen Klassen der Bourgeoisie und des Proletariats, aber dennoch eine über "die feinen Unterschiede" vermittelte Spaltung der Gesellschaft (vgl.

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